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Walter Folle

Der Skulpteur

 

Das Wurzelholz ist knorrig und pure Natur.

Zwischen Schilf und Fels am Seeufer gefunden.

Man ahnt im Bizarren eine vage Struktur,

noch an Erde, Rinde und Moos gebunden.

Hundertmal in beide Hände genommen,

gewendet, gebürstet, geschliffen, gesägt.

Das Endprodukt bleibt lange verschwommen,

während die Phantasie des Meisters Neues erwägt.

 

Langsam erahnt man eine zarte Kontur:

einen Körper, eine Stirn, einen Rücken...

Man sieht einen Knollen, Risse, eine Fraktur -

und der Betrachter gerät ins Entzücken.

 

Wenn das Skurrile, Bizarre, verschwimmt

und die Wurzel sich Phantasie und Händen fügt,

wenn das Holz weiter an Schönheit gewinnt,

sagt der Skulpteur: es ist Zeit, es genügt.

 

Der Skulpteur ist kein Ingenieur,

er zerstört nicht fortwährend die Natur.

Sein hinterlassenes Erbe wiegt nicht schwer,

er verleiht der Welt nur sanft eine andere Kontur.

 

 

von Rainer Hirt, Herbst 2020

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gebürtiger Dortmunder, lebt seit 48 Jahren in Bremen, gelernter Schriftlithograph und Kartograph; arbeitete als Lehrer für Deutsch und Kunst und hernach bis heute als Tischler; Gedichte und Skulpturen entstehen je nach Gelegenheit und auch weiterhin

 

kontakt

Kontakt

Mail: w.folle@gmx.de

Mobil: 0177 7590151

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